Ausfallzeit – mehrere Wochen
Viele kennen das Gefühl, was einen überkommt bei der Nachricht, nach einer Verletzung mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate, komplett auf Sport und Training verzichten zu müssen. Das war’s mit dem hart erarbeiteten Fortschritt. Jetzt, beziehungsweise in vielen Wochen, wird wieder bei 0 angefangen. So auch in unserem Beispiel. Nach einem Unfall erhielt der Patient in der Notaufnahme einen Entlastungsschuh und die pauschale Empfehlung zur strikten Ruhe über mehrere Wochen. Doch Physiotherapeut Simon Roth und sein Team konnten den Patienten bereits zehn Tage nach der Verletzung betreuen, um frühzeitig muskuläre Defizite auszugleichen und bald wieder aktiv zu werden.
Session 1: Eingangsanalyse und initiale Stabilisierung
In der ersten Sitzung wurde die Ansteuerung des Gluteus medius mithilfe eines EMG-Mappings überprüft. Das bedeutet, dass Ruheaktivität, willkürliche und unwillkürliche Bewegung auf mögliche Auffälligkeiten und potenzielle Dysbalancen gescannt werden. Anhand der myoact-App können die gemessenen Werte mit vorgegebenen Richtwerten verglichen werden. Hier zeigte sich ein deutlicher Verlust der muskulären Kontrolle auf der betroffenen Seite, weshalb individuell angepasste Übungen eingeführt wurden. Dabei wurde mit Hilfe von Biofeedback darauf geachtet, Übungen auszuwählen, die den Fuß nicht belasteten, aber die Ansteuerung des Gluteus medius förderten. Zudem wurde auf die oberen Extremitäten geachtet, da die Nutzung der Unterarmgehstützen zu muskulären Dysbalancen im Schulter-Nacken-Bereich führen kann. Das Mapping half, Ungleichgewichte zu erkennen und gezielte Übungen einzuleiten.
Session 2: Fortschritt und Anpassung
In der zweiten Sitzung, nach sechs Wochen, wurde ein Retest durchgeführt, um den Fortschritt des Patienten zu überprüfen und mögliche Anpassungen vornehmen zu können. Es zeigte sich eine Verbesserung der muskulären Ansteuerung.
Der Patient hatte regelmäßig Übungen durchgeführt, wie beispielsweise das „Clamshell“-Training. Gleichzeitig wurde mit Angstbewältigungsstrategien gearbeitet, um den Fuß langsam wieder zu belasten. Zudem wurde der Peroneus gezielt aktiviert, um die Vorfußpronation zu unterstützen.
Session 3: Rückkehr zur funktionellen Belastung
In der dritten Sitzung, Woche 12, war der Patient von den Stützen befreit und begann mit progressiven Übungen, wie unilateralen Kniebeugen. Hier wurde besonders darauf geachtet, zu überprüfen, ob er korrekt belastet und dass er keine Ausweichübungen zeigt. Ein funktioneller Belastungstest am Großzehengrundgelenk wies noch Defizite auf, da diese Stelle länger entlastet wurde. Anhand von Biofeedback konnten die effektivsten Übungen bestimmt werden, indem bei verschiedenen Übungen überprüft wurde, inwiefern sie wirklich den gewünschten Muskel treffen und welche Übungen somit die größte Bereicherung für das Training des Patienten darstellen.
Session 4: Integration und Laufanalyse
In der vierten Behandlung (Woche 15) wurden Fortschritte im Gluteus medius sichtbar, auch unter Belastung. Der Patient lernte, Ängste zu überwinden, indem er seitliche Kantenbelastungen und Sprünge durchführte. Eine Laufanalyse mit Pedobarografie und EMG zeigte, dass er muskulär nahezu symmetrisch arbeitete, jedoch noch eine erhöhte Kontaktzeit im rechten Fuß hatte.
Ergebnisse nach 4 Behandlungen
Das systematische Training über die gesamte Muskelkette führte dazu, dass die willkürliche Kontrolle in unwillkürliche Bewegungen überging. Die Kombination aus Mapping, gezieltem Biofeedback-Training und konfrontativen Maßnahmen zur Angstbewältigung erlaubte dem Patienten, schneller schmerzfrei ins Lauftraining zurückzukehren und sein Training für den nächsten Marathon deutlich früher als zunächst gedacht wieder aufzunehmen.
Fazit
Dieses Beispiel soll dazu ermutigen, nicht immer auf pauschale Aussagen zurückzugreifen, sondern den Weg zurück zum Sport individuell anzupassen und wenn möglich, dann so aktiv, wie es nur geht. Mapping und Biofeedback-Training stellen eine Chance dar, das zu ermöglichen, indem gezielt auf muskuläre Defizite eingegangen wird und unter Berücksichtigung des Standes des Patienten Übungen im Biofeedback ausgewählt werden.
